LIN DEN KREIS. 2025.

Viermal LIN DEN KREIS in diesem Jahr, zweimal davor 2024. Der Kreis als Jahressymbol für 2025 hat die bald 12 IXI Videos beeinflusst, die am Ende jeder Seite zu finden sind. Die LIN DEN KREIS teilt sich weiter in Körper und Seele. Zeit diese Gesprächsform zu reflektieren. Nicht über den Inhalt, denn es gilt die Regel: what happens at the LIN DEN KREIS, stays at the LIN DEN KREIS.

Am Anfang des Formats stand die schöne Erfahrung mit meinem Kinderfreund Wolfgang «Knutschi» Kunz, als wir nach den Zeiten von Corona und den ewigen Streitereien um Positionen an allen Ecken und Enden ganz gegen den Trend mit einem schönen Gespräch über Glauben und Atheismus einen Abend beendeten. Wir erzählten uns einfach, was wir in uns spürten und liessen einander so stehen. Kein Widerspruch, kein «da weiss ich auch noch was». Einfach erzählen lassen.

Das gab mir zu denken, für so etwas wollte ich Gesprächsgruppen zwischen ganz unterschiedlichen Menschen organisieren. Zwischen solchen, die sich vielleicht sonst nicht so einfach an einen Tisch setzen würden. Lokal bedingt, denn es sollten Menschen aus dem Dorf und von aussen, ArbeiterInnen und AkademikerInnen sein, die einfach eine Viertelstunde über ein vage vorgegebenes Thema erzählen sollten. Und die anderen 4-7 Anwesenden hören einfach zu. Ohne Unterbrechung. Nach der Runde bleiben die Erzählungen im Raum und man geht zum Essen einen weiter. Das Thema sollte nicht diskutiert werden sondern einfach jetzt ruhen. Soweit das Konzept.

Spannende Effekte stellten sich ein. Menschen, die durch das gegenseitige, ruhige Zuhören ohne Widerspruch oder Gegenansatz zugeneigt sind, haben einen guten, offenen Abend, der nicht enden will und sehr versöhnlich am Tisch weitergeht. Ein Aufsteller. Das Format stiess nicht immer auf Freude («was soll ich denn da erzählen…»). Aber es gab keinen Abbruch oder Ausschläge. Jeder mit seinen Worten und in seiner Art. Genau diese Mischung macht den Abend immer wieder spannend.

Egal ob Essen und Trinken präsentiert wird oder Themen jeweils auf den Tisch kommen, immer funktioniert es, den eigenen Punkt sauber herüber zu bringen… und Kässpatzen scheinen sich als Speise danach durchzusetzen. Das ist schon fast traditionsverdächtig.

Trotzdem wird es zunehmend schwieriger, neue Kreise zu gestalten, denn mir gehen schlichtweg die Menschen aus. Idealerweise bin ich jeweils mit ihnen befreundet, um Vertrauen aufzubauen, aber sie kennen sich untereinander nur wenig. Dann ist der Effekt grösser und man redet offener, es bleibt ja alles im Kreis. Die Auswahl will vor allem im Dorf bedacht sein, denn Nachbarn bleiben Nachbarn, auch nachher. Luxusprobleme. Durch neue Kombination und neue Menschen durch Vermittlung der Teilnehmenden lasst sich noch einiges gestalten.

Da das Format funktioniert, möchte ich es gerade deshalb 2026 variieren. Zwei Termine machen statt vier, denn die Organisation ist nicht zu unterschätzen. Vielleicht sollen die Beiträge länger sein und schon etwas vorbereitet, damit keine Panik aufkommen kann, was man denn da erzählen soll. Jede/r hat spannende Geschichten, wirklich jede/r. Auch die Trennung in Körper und Seele könnte durch zwei ineinander verwobene Kreise aufhören. Schwierig war bei «Körper» die Verlagerung jedes Gangs an einen anderen Platz im LIN DEN HOF. Das Verfahren ist an sich gut, aber sie müssten näher beieinander liegen. Vielleicht in den vier Denkzonen, die nächstes Jahr auch begehbar sein sollen. Es liesse sich ja etwas zu einem Thema erzählen und eine passende Speise oder ein Getränk dazu kredenzen, dann wäre man eine Stunde pro Teilnehmendem beschäftigt und würde danach zum nächsten weitergehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich lasse das noch ein wenig sacken, lese gerade von Nietzsche Texte zur Langsamkeit, die mich beeinflussen. In der Hektik passiert bei mir viel, aber hier ist eine Zwischenzeit wichtig, um die auf eine nächste gute Form zu kommen. Was ich von alledem habe? Das Glück der Teilnehmenden, wenn der Abend seine Magie entfaltet, eine gute Zeit mit interessanten Menschen und Geschichten auf dem LIN DEN HOF. Das sind meine Salons, wenn ich es mir recht überlege. Es ist die pure Schönheit im Miteinander.