Sans. Souci.

Seit 30 Jahren gibt es eine Spazierstrecke, die allen anderen für mich um Längen voraus ist. SansSouci und sein Park in Potsdam. Das Gesetz will es, dass ich – wann immer ich in Berlin bin – mit einer Zigarre dort lustwandle und in der Anlage Gedanken zu mir kommen lasse. So war zum Beispiel das Ergebnis eines Gesprächs dort 1992, dass ich meinen Arbeitsplatz im 21. Jahrhundert visionieren konnte (Schwarze Box am heimnischen Tisch, die mich mit der ganzen Welt verbindet und am Abend weggeräumt ist). Und mit dem leider verstorbenen Arbeitskollegen Stephen T. kam es zu einem Zigarrenplausch über Artificial Intelligence und seinen Impact, im Jahr 2014. So anregend ist ein Gang zum Schloss Charlottenhof. So auch dieses Jahr. 2025 stand plötzlich vor mir in der Form eines Kreises. Der Halbrund als Rauchplatz tat sein übriges, mehr will ich hier nicht erzählen, das Jahr ist noch nicht ausgearbeitet. Ich visoniere einfach gerne. An meinem Lieblingsrauchplatz: Vor dem Charlottenhof mit Blick auf das Neue Palais.

Der Kreis schliesst sich hier auch deshalb, weil der Park ein wenig Vorbild für den LIN DEN HOF ist. So wie Linderhof. Ein Haupthaus und viele kleine Nebenplätze in einem… Garten.

Vieles habe ich daraus als Vorbild entnommen:

  • Die weissen Bänke auf dem ganzen Gelände
  • Der Zengarten statt einem asiatischen Teehaus (eigentlich zweien)
  • Die vergrabenen Steine der alten Höfe statt dem Friedrichsgrab vor Sansouci
  • Das LIN DEN HOF Schild statt der «Sans, Souci.» Inschrift
  • Die Denkzonen statt der Alegorienbilder
  • Das alte Baumhaus stehen zu lassen statt dem Normannischen Turm und der Ruine
  • Die Sandwege
  • Der noch vorhandene Auslauf in den «Englischen Garten» an der Gennach
  • Die farbliche Inszenierung der Gebäude

Da soll man sich nicht täuschen lassen, ich will das Ding nicht nachbauen. Wäre unmöglich und mir als Arbeiterkind nun überhaupt nicht angemessen. Vier Stunden brauche ich inklusive Zigarre für eine Umrundung des Parks und seinen asiatischen Schlösschen mit der Orangerie und SansSouci bzw. dem Neuen Palais. Es geht um die Wahrnehmung der Erhabenheit einer solchen Anlage. Lenné, der Gartenbauarchitekt, hat Sichtachsen eingebaut, die ich in den Tunnels am Norden meines Gartens angelegt habe. Und die Weite ergibt sich in der Miniaturisierung der WIESE mittels der Denkzonen.

Tatsächlich, die Rundbank gibt es auch auf dem LIN DEN HOF. Allerdings um einiges kleiner und an der Feuerstelle. Einen Hof mit zwei Lauben konnte ich bauen, aber natürlich kein Teehäuschen wie dieses:

Und von einem neuen Palais bin ich weit weg. Es wäre bei aller Unmöglichkeit auch entsetzlich. Viel zu gross. Ich fühle mich wohl im ersten Stock von LIN DEN mit seinem Sternenbalkon und erfreue mich am Blick auf mein persönliches SansSouci, den HOF.

Der merkwürdig ausladende Orangenhain vor dem Schloss befindet sich angelegt in der Wellenhecke vor dem HOF. Beiden ist die Idee der Wasserkaskade zueigen. Aber eben: bei mir alles viel bürgerlich bescheidener. Ich hab ja keinen Staat als Geschäft.

Nach einem Gang durch Potsdam mit seinen Pärken fühle ich mich aufgestellt. Fast so wie nach einem Gang durch den LIN DEN HOF. Der grosse Park ist für die grossen Gedanken. Der LIN DEN HOF für eine ständige Weiterentwicklung meiner Welt gedacht. Ich empfinde beide als ungeheure Wohltat, auch wenn sie nicht für mich gebaut wurden. Sans Souci schon gar nicht. Aber man wird ja mal unbescheiden sein dürfen.