Ach. Mama.

Mama ist dement. Es ist kompliziert. Sie ist es nicht. Wenn ich am LIN DEN HOF ankomme, dann sitzt sie auf ihrem Stuhl und lächelt. Sie versteht weniger und weniger (akustisch), kann sich an das Aktuelle sicher nicht mehr erinnern, sie ist so ganz anders geworden, auch eher heiter.

Mama ist 87 und lebt auf dem LIN DEN HOF. Ist es schlimm mit dementen Menschen umzugehen? Nein, wenn sie wie Mama durch die Krankheit eher sanfter geworden sind. Alles Neue ist einmal erzählt schon wieder verschwunden in ihr. Ich komme jeden Morgen ins Wohnzimmer und beginne erneut mit Themen, die gestern bereits besprochen galten. Man muss sich an den Austausch über unendliche Schleifen gewöhnen. Dann wird es einsichtig.

Mama bringt vieles durcheinander. Die Nachfragen ergeben oft keinen Sinn. Sie sagt über ihren Kopf, dass er einfach das Denken aufgehört hat, so wie bei anderen das Knie nicht mehr will. Sie hat immer schon gerne die Dinge verwirrt, aber nun ist es stärker geworden, konfuser, ineinander verworren. Es braucht alles seine Zeit.

Ich bin manchmal – das gebe ich zu – der Krankheit müde geworden, würde gerne die Zeit zurückdrehen und auch gerne wieder ein Gespräch mit Mama führen. Das geht kaum mehr.

Es ist schön, dass sie noch immer neben mir sitzt und mit mir lacht. Das kann uns eine Demenz nicht nehmen, darum bin ich sehr froh.

1 thought on “Ach. Mama.”

  1. Lieber Harald, deine Worte berührend und ehrlich. Schön, dass du mit ihr und für sie da sein kannst und vor allem, dass du mit ihr lachen kannst. Jeder dieser Momente zählt und ist wertvoll für deine Mama, für dich. Es gibt immer nur diesen Moment und später für dich die Erinnerung, die Bilder. Das was in der Vergangenheit nicht so schön war darf verblassen . Wie du sagst, so soll es sein.
    Herzlichst Danny

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