Lager. Leben.

Einmal im Jahr, in der 3. Juliwoche, lebt die Stadt Kaufbeuren auf. Ursprünglich war das Tänzeltest dazu gedacht, dass die Kinder der Stadt die Geschichte des Ortes nachspielen. Aber letztendlich hat sich der bayerische Staat schon Anfang 1900 darüber beschwert, dass dieses angebliche Kinderfest mit den zwei Festumzügen in historischen Kostümen mehr ein willkommener Anlass für die Erwachsenen war, ordentlich Bier zu sich zu nehmen.

Ganz in dieser Tradition verpflichtet hat sich in den letzten 30 Jahren ein «Lagerleben» dazu entwickelt, das die Altstadt historisch ins 17. Jahrhundert versetzt und den Einzug der schwedischen Truppen im 30 Jährigen Krieg zelebriert. Ganz klar ist den wackeren Kaufbeurern vermutlich nicht, dass so ein Truppenbefall wenig lustig war. Aber hey, ein weiterer Grund, sich selbst in eine Mischung aus Oktoberfestdirndl und Mittelalterklamotten zu werfen und wieder ordentlich Bier zu konsumieren. Die Stimmung ist ausgelassen, und alle, wirklich alle sind da in diesen zwei Nächten . Man lässt es sich gut gehen und geniesst den Trubel in der Altstadt, der wirklich nur diese eine Woche im Jahr erlebbar ist.

Aber wollen wir nicht so streng mit den Kaufbeurern sein. Sie können feiern in dieser Woche und haben Spass. Leicht kann man sich dort dazugesellen und auch seinen Spass haben. Das zählt. Und wenn man dann in eine Seitengasse geht in dieser Nacht, kann es auch bezaubernd still und sanft werden. So wie in New Orleans, wenn man sich von der Bourbon Street wegbegibt.

Und es geht noch stiller, so wie am nächsten Tag im Creszentia Kloster. Ein Mann spielt Bach Sonaten auf dem Cello. Baff sitze ich in der Kirchenbank und lausche. Es steckt in den Seitengassen der Stadt soviel, wenn man es nur entdeckt.