Ruhen. Lernen.

Den Vatertag verbringe ich hier auf der Hängematte. Ich habe mir etwas schier Unmögliches vorgenommen: einen Tag lang auf dem LIN DEN HOF nichts zu tun. Das ist, wenn man mich kennt, keine leichte Aufgabe für mich, aber gerade weil ich das Ende der Bauarbeiten vergegenwärtigen und deshalb für mich inszenieren muss, gehe ich das Wagnis ein. Urlaub auf dem LIN DEN HOF lernen. Ganz alleine.

Dazu sind die Hängematten, drei an der Zahl, und die weisse Bank im Garten aufgestellt. Sie stehen und hängen dort, weil genau das als Kind nie hier möglich schien. Immer sollte man etwas tun, nicht einfach nur sein. Den Garten geniessen, vor sich hin pendeln. Und gut ist es.

Mit einer Zigarre (die zweite im Halfter bereit) und einem Glas selbst gemachtem Himbeersaft auf Eis und aus dem Garten pendle ich im Wind und mache… nichts. Das ist verdammt schwer. Die eine Hirnhälfte will immer ein neues Projekt anfangen, oder doch die Wiese mähen oder die Pflanzen zurechtschneiden. Das kommende Fest der Taglinger vorbereiten, aber die andere Hälfte sagt:

“Harald, echt jetzt, schwing aus, das tut Dir gut. Mehr musst Du heute nicht tun als nichts. Dazu ist der LIN DEN HOF da.”

Ich tu mir verdammt schwer. Ich höre Musik, ich süffle den Saft, lasse die Gedanken kreisen, poste auf Facebook und Instagram, dass ich nichts tue (haha) und lasse mich treiben. Heute Morgen bin ich um 06.00 UHR hochgeschreckt und wollte schon aus dem Bett springen und weiterbauen. Das tue ich ja morgen noch einmal (Wege stabilisieren, den Südhang einpflanzen, das Steinmosaik hinter dem Hof legen). Als ich wieder einschlief, träumte ich von versteckten Garagen, in denen ich das Benzin umkippte und weinte, von dem angelieferten Bruchsand 0.2, der doch viel zu viel war und das falsche Format hatte, die Blumenwiese zuschüttete. Dann stand ich auf zum Nichtstun, langsam gelang es doch immer mehr und liess sich nur durch ein schönes Mittagessen mit Mama unterbrechen. Dann wieder ab auf die Matte. Es tut gut, wenn es für Momente gelingt, und ich stehe immer noch am Anfang es zu können. Mit fast 56 Jahren kann ich nicht nichts tun. Vielleicht schaue ich einfach noch ein wenig tiefer in die Blätter über mir und lasse mich hineintreiben. Das wird schon.

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