Nebel. Feuer.

Es ist ein starker Nebel vor dem LIN DEN HOF und der Abend senkt sich herein. Ich trage die kleinen, leicht brennbaren Zweige aus dem Sommer zur Feuerschale, schichte dickeres Holz daneben, hole einen Karton als Starter und zünde das Herbstfeuer an. Die ersten Versuche sind wie stets mit Misserfolg gekrönt. Alle Dinge hier habe ich mit einem “das schaffe ich nicht” angegangen, um sie dann doch zu meistern. Immer, jeden Tag hier. Also bin ich geduldig, versuche es erneut und die Flamenn schlagen hoch.

Dann hänge ich mir die LIN DEN HOF Gitarre um, schalte den Sender und Verstärker ein, spiele mir das Jahr vom Leib. Um mich herum wird es düster von Nebel, die Flamme erhellt den nahen Kreis. Ich spiele D-Dur für den Frühling mit dem Ausbau des Dachbodens und dem Neuverlegen des Rasens auf dem alten Betonweg. Ich lasse die Gitarre jaulen für die Woche, in der das Eternit so schwer herunter ging. Der Mai, der schwierig und viel war in seinen Arbeiten.

Und ich finde die Flageolettöne für das träge Bauen im Sommer mit all dem Warten auf das Holz, die Erdarbeiten und dem guten Ende des Baus.  Es ist mir eine Freude und eine Melancholie, die sich über das gebaute Jahr legt und in Gitarrenläufen seinen Ausdruck findet.

An diesem Wochenende hätten Thomas Hettche und Anatol Locker auf dem LIN DEN HOF ein sollen, mussten aber COVID Massnahmen bedingt absagen. So habe ich zum ersten Mal ein Wochenende „alleine“ und ohne Bauplanung hier verbracht. Es war wunderbar, innig, wie wenn ein Plan endlich aufginge und ich nach langer Seereise eine Insel wieder fände. Wenn ich die PDA, meine Wohnung im Lindenhof, betrete und alles auspacke, dann bekomme ich ein ähnlich behagliches Gefühl wie früher in Vals. Es stehen jetzt Tage der Erholung an, der Relfexion … und des leckeren Essens, soweit ich mir das selbst so koche oder bei Nini serviert bekomme. Leben ist gut hier geworden.

Noch liegt der Nebel über der Zeit, COVID hat auch das Allgäu im Griff. Jetzt bin ich erst einmal alleine hier, stehe vor dem Feuer, das langsam niederbrennt, besungen ist und das Jahr doch im Guten enden lässt. Ich liebe es hier zu sein. Endlich wieder, eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben. Das hätte ich mir so nicht träumen lassen. Es ist wie ein guter Traum, nach dem man mit einem Sonnenstrahl auf dem Gesicht aufwachen kann. 

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