Julia. Gesang.

Woher ich Julia kenne? Eigentlich kenne ich sie sehr wenig. Und doch schon lange. Über «Ecken». 2004 hat sie einen Liedtext von mir in «Pommes vom Feinsten» gesungen. Da fiel mir ihre Stimme auf. Die Jahre sind ins Land gezogen. Wir haben uns bei Sepp wieder getroffen, und ich konnte mir denken, dass ihr Gesang für das Projekt 12 eine tolle Sache wäre. Also habe ich sie gefragt, und sie war sofort dabei, was mich ungemein gefreut hat.

Also trafen wir uns am Abend im Probenboden, das Laptop Studio auf einem Stuhl, der Text der Lieder «März» und «Juli» in Händen, und Julia so: ich habe keinen Plan, was ich jetzt machen soll… sehr gut, denn so können freie und schöne Aufnahmesessions entstehen. Musik ab und Julia legte los.

Sehr vorsichtig, fast schüchtern zuerst. Nur um dann mit einem Mal in eine hohe Oktave zu gehen und herrliche Melodiekaskaden scheinbar aus dem Handgelenk zu zaubern. Ich war baff und gebannt.

Julia hat einen unglaublichen Tonumfang und könnte vermutlich Gläser mit ihrem hellen und schwebenden Gesang springen lassen. Was kontraproduktiv wäre, schliesslich hat sie sich mit einem Glas Zweigelt die Stimme eingeölt.

Der «März» war nicht von dieser Welt. Da steckt eine ausgereifte Technik und viel Gesangsherz im spannenden Trotzkopf. Vor allem beim «Juli» kam sie in neue Wasser und hat vor allem nach der zweiten Strophe eine Überleitung gesungen, nach der ich am liebsten Böller gezündet hätte. Wie mutig von ihr, den eigenen Weg zu verlassen und Neues zu probieren. Was ihr Thema zu sein scheint, denn wir haben danach Sushi gerollt und geplaudert.

Das Thema waren die eigenen Wurzeln, parallele Geschichten im Allgäu, in denen man vor Trotz weglaufen will und doch nicht ganz verschwindet, in Berlin die Kälte der grossen Welt spührt, in die man ja eigentlich hineingehen wollte, und dann versucht, seinen Trotz, das «Andere» in ein dörfliches Feld zurück zu tragen, das mit der Exotik eigentlich nichts anfangen kann. Man wird freundlich an der langen Hand gelassen, aber das ist nicht mehr schlimm, denn man hat ja jetzt die ganze Welt offen und verdurstet nicht in Linden oder Stocken oder in sonst einem der Dörfer.

So würde ich das Gespräch wiedergeben, das wir bei Reis, Fisch und Wein führten. Den wunderschönen Gesang von Julia wird 2022 die Veröffentlichung von «März» und «Juli» in die Welt tragen.

3 thoughts on “Julia. Gesang.”

  1. Oh mein Lieber 🙂
    Das hast du ja wirklich toll geschrieben! Von Herzen sag ich Danke dafür!
    Es hat mir riesig Spaß gemacht und ich hab mich saumässig gefreut dabei sein zu dürfen!

    Solange es wieder Wein und Sushi gibt… 😉

  2. Pingback: 12 – Sakristei

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